
Kitzingen (dn) Brücken verbinden. Und sie schirmen, wenn etwa ein Gewitter aufzieht. So geschehen beim 2. Kitzinger Philosophenschoppen. Daniel Nagl hatte, letztmalig für die Paneuropa Jugend, zum Diskurs eingeladen. Da sich die zweite Ausgabe explizit mit dem Verhältnis von Jugend, Parteien und Politik befasste, folgten junge Vertreter verschiedener Parteien, mehrere Schülersprecher und auch ein Vertreter von Fridays for Future (FfF) sowie als lokale Mandatsträger Umweltpolitikerin Barbara Becker (Landtag) und Bürgermeister Stefan Güntner der Einladung.
Von Nagl gefragt, was die Aufgabe der Jugend in Gesellschaft und Politik sei, war sich Ingo Heide (19, FfF Würzburg) sicher: „einen Wandel einleiten!“ „Und selbst Zukunft mitgestalten“ ergänzte die ehemalige Schülersprecherin der Realschule Kitzingen Maxime Haag (17) aus Marktsteft. Für Christina Henke (26), stv. Vorsitzende der Jungen Union Unterfranken aus Aschaffenburg, gilt es dabei auch „provokant zu sein und außerhalb bestehender Spuren zu denken.“ Wie schnell sich diese ändern erklärte Konrad Körner (26), Vorsitzender der JU in Mittelfranken aus Herzogenaurach: selbst zwischen ihm und seinem 19 jährigen Bruder hätten sich die Kommunikationswege bereits verschoben; „da müssen alle Parteien echt aufpassen, nachhaltig nicht den Anschluss zu verlieren“. Gleichzeitig freue es ihn, dass heute bei Abiturreden auch davon gesprochen wird, dass die Jugend einen Anspruch habe, Gesellschaft zu verändern.
Noelle Lamers (17) Schülersprecherin am Gymnasium Marktbreit, bekräftigte dies. „Wir haben alle eine Meinung. Viele sprechen ihre politische Meinung nur nicht aus bzw. engagieren sich nicht, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen“, antwortete sie auf Nagls Frage, ob es frei nach Rezo nur eine richtige Meinung gebe. Für einen lebendigen politischen Prozess und ein gewisses Verständnis unter den Schülern warb auch Julia Bretz (30) die stv. Vorsitzende der FDP in Unterfranken. Sie erklärte, dass der Diskurs in einer Gesellschaft, in der absolute Meinungen immer stärker würden, aufrechterhalten werden müsse. „Denn Politik meint immer das Ringen um Kompromisse“ – und dies dauere inklusive Gesetzgebungsverfahren nun einmal.
Wie schwierig es wird diesen Diskurs, wie beim Philosophenschoppen geschehen, zu verteidigten zeigten der Hinweis des PEJ-Unterfrankenvorsitzenden Pascal Häusinger auf kommunikative Filterblasen und die zuspitzende Frage der bisherigen Schülersprecherin der Mädchenrealschule Volkach Célina Michelle Ehrler (17) hierzu: „Wie viele Menschen setzen sich denn wirklich mit Politik auseinander und suchen nicht nur in den sozialen Medien nach Bestätigung?“
JU-Kreisvorsitzende Sabrina Stemplowski (33) unterstrich, dass die parteiübergreifende Herausforderung darum nicht in Quotendiskussionen liege, sondern „in der Ansprache der jungen, noch grundsätzlich und ungefiltert interessierten Menschen“. Auch Bürgermeister Stefan Güntner (38) zeigte sich nicht als Fan einer Jugendquote wurde aber mit Blick auf die Stadt- und Gemeinderäte der Region sehr deutlich: „Es bringt nichts, wenn in einem Stadtrat über 30 Jahre lang mehr oder weniger die gleichen Leute sitzen.“ Güntner appelliert daher an die Jugend, nicht nur auf die Straße zu gehen, sondern sich langfristig in einer Partei einzubringen, um Wandel und Zukunft mitzugestalten. Dass dies oft entspannter möglich ist als viele denken, unterstrich abschließend Landtagsabgeordnete Barbara Becker. Aktuell denke ihre Partei vieles neu, so die CSU-Kreisvorsitzende: „aber alle Parteien müssen den Leuten auch klarmachen, dass die Zugänge total easy sind und man sich nicht lebenslang bindet“.
Eine Bindung endete mit dem Philosophenschoppen auch für den Organisatoren Daniel Nagl. Nach seiner Wahl zum Bezirksvorsitzenden der Jungen Union Ende Juli gibt der Kitzinger das Amt als Regionalvorsitzender der überparteilichen Paneuropa Jugend in Franken auf. Diese wird fortan in Unterfranken von Pascal Häusinger (WÜ) und in Mittelfranken von Frederik Ströhlein (AN) geführt.