Und die Digitalministerin schreit laut vom Pausenhof

Unterfranken (dn) „Die Kreidezeit ist mancherorts nicht seit Millionen Jahren, sondern wenigen Wochen vorbei“, brachte es CSU-Landtagsabgeordneter Benjamin Miskowitsch (Fürstenfeldbruck) gleich zu Beginn der vom JU-Bezirksvorsitzenden Daniel Nagl (Kitzingen) moderierten 11. JU-Talkshow auf Facebook seit Corona-Ausbruch auf den Punkt. Noch immer steckten die Schulen im Freistaat in einem Transformationsprozess, bestätigte Yannick Krug, Wissensmanager bei Franken Lehrmittel Medientechnik (Roth). Eine Grundschulrektorin aus Unterfranken habe es ihm gegenüber so beschrieben: „Ich soll unterrichten, bin aber nebenher noch mit juristischen Fragen, in der Organisation und jetzt auch noch IT gefordert.“ Karoline Ruf, stv. CSU-Bezirksvorsitzende und Grundschullehrerin (Würzburg) bestätigte: „Das Kreuzfahrtschiff Kultusministerium muss sich hier bereits bei der Lehrerausbildung bewegen – und die Verbindlichkeit von Fortbildungen stärken, damit der Bildungserfolg der Kinder nicht vom Wohnort abhängt!“

Dabei, so Krug, gelte es den Schwung der Pandemie in der Digitalisierung zu nutzen und das Konzept Schule zu überdenken, jenseits der Fächerschubladen. Einen Grundgedanken, den sich, mit Blick auf die Staatsregierung, auch Miskowitsch und die Mitglieder der CSU-Landtagsfraktion unter 40 Jahren wünschen. „Starres Ressortprinzip ist nicht mehr zeitgemäß. Wenn ein Ministerium Geld ausgeben will, muss es ja schon heute mit dem Finanzministerium Rücksprache halten. Warum soll das bei Fragen der Digitalisierung anders sein?“

Man nehme zwar, so die Spitze des JU-Bezirkschefs Nagl gegen die unterfränkische FW-Kultusstaatssekretärin, die Performance der weiblichen Kabinettsmitglieder aus Unterfranken eher mit CSU-Parteibuch war. „Aber leider hat man den Eindruck, Staatsministerin Gerlach ruft sich auf dem Pausenhof die Seele aus dem Leib, aber ins kultusministerielle Lehrerzimmer dringt durch’s geschlossene Kompetenzfenster wenig.“

Baustellen gäbe es durchaus, zeigten die Fragen des Vorsitzenden des Fachausschuss für Bildung und Kultus der JU Bayern, Dr. Ludwig Lenzgeiger (Augsburg). „Wenn Eltern mit 3 Kindern 4 schulisch genutzte Plattformen verstehen sollen, zeigt das dass wir vereinfachen müssen. Es braucht langfristig tragfähige Cloud-Lösungen; auch da Mebis nicht dafür konstruiert ist, den kompletten Unterricht darüber abzuwickeln“, so Miskowitsch. Auch bei der Frage der Nutzungsrechte für Lehrer müsse ministerial Verbindlichkeit geschaffen werden, forderte Ruf.

In der von Lehrerin Isabell Rott redaktionell betreuten Facebook-Debatte wurde durch Bürgermeister Johannes Albert (Roden) der Wunsch laut, für effektivere Prozesse die Beschaffung der Lehrergeräte von den Sachaufwandsträgern zum Freistaat zu verlagern. Abschließend bat Nagl Miskowitsch in der CSU-Landtagsfraktion für eine stärkere Verschränkung von BayernWLAN und Freifunk-Angeboten zu werben, „damit losgelöst von allen Soft- oder Hardware-Fragen kein Kind mehr wegen schlechter, nicht durch das Digitalministerium zu verantwortende Breitbandversorgung Referate im Schnee halten muss oder aus sozialen Gründen kein Netz aber somit Bildungsnachteile hat.“

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