
Unterfranken (dn) 3. März – Tag des Artenschutzes. Die Junge Union wollte bewusst zu diesem Anlass mit der Online-Veranstaltung „Biodiversität? Landwirtschaft? Beides – aber wie?“ Zukunftsfragen beantworten. Gemeinsam mit dem stv. Vorsitzenden der JU Deutschland Markus Täuber (Oberfranken) und dem Leiter des Fachausschusses Nachhaltigkeit und ländlicher Raum der JU Bayern Sebastian Strauß (Oberbayern) lud der Bezirksvorsitzende der JU Unterfranken Daniel Nagl zum Onlinetalk mit hochwertigen ExpertInnen. Der agrarpolitische Sprecher der CSU im Bundestag Artur Auernhammer, die Umweltpolitikerin im Bayerischen Landtag Barbara Becker, der Vorsitzende des Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) Dr. Norbert Schäffer und der junge Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands (BJV) Sebastian Ziegler diskutierten mehr als zwei Stunden mit über vierzig Interessierten; vornehmlich aus der unterfränkischen Landwirtschaft.
In seiner Einführung wies Nagl darauf hin, dass in der Landwirtschaft die gesellschaftlichen Ziele regional erzeugte Lebensmittel, Artenvielfalt und der Schutz von Klima- und Grundwasser zusammentreffen. „Wir sehen einen enormen Druck auf die Landwirtschaft. Dieser wird nicht kleiner, wenn sich grüne Bundestagskandidaten hinstellen und fälschlich behaupten, für’s Klima sei ein stillgelegter Wald das Beste oder wenn die SPD-Bundesumweltministerin durch absolut unverständliche Vorschläge zum Insektenschutz das Wirtschaften selbst in aus Artenschutzsicht hochwertigen Weinbergen erschweren will“, so der Kitzinger.
Agrarpolitiker Auernhammer unterstrich: „Arten- und Insektenschutz geht nur mit der Land- und Forstwirtschaft – und zwar wie in Bayern bereits seit Jahren praktiziert als kooperativer Naturschutz. Beim kooperativen Naturschutz gilt Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht, beziehungsweise monetärer Anreiz oder Ausgleich und nicht ersatzlose Verbote. Das muss auch die Messlatte für den Bund sein.“
Auch Dr. Schäffer, mit dem LBV Mitinitiator des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ betonte, dass seit dem Volksbegehren in Bayern nochmals mehr Geld in die Hand genommen werde, Artenschutz auch und vor allem mit der Landwirtschaft zu erreichen. Ohne jegliche Schuldzuweisung unterstrichen sowohl Dr. Schäffer als auch der Niederwild-Experte Ziegler den in den letzten dreißig Jahren erfolgten, dramatischen Rückgang (teilweise 90%) diverser Wiesenbrüterarten, die als Beleg für Artenvielfalt gelten.
Ziegler verwies darauf, dass die Landwirtschaft in ihren vielfältigen Aufgaben „nicht im Regen stehen gelassen“ werde darf. Arten- und Naturschutz gelinge, so seine Erfahrung, wo Landwirte, Jäger und idealweise die örtliche Gesellschaft Hand in Hand arbeiten, wie er es in seinem Niederwild-Revier erlebe. In der Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten gelang es dort, den Rückgang bei der Rebhuhn-Population umzukehren. „Solche Kooperationen gilt es zu fördern und überregional noch weiter zu optimieren“, regte der BJV-Vizepräsident in Richtung der Bundes- und Landespolitiker an.
Dr. Schäffer appellierte an die Zuhörer, die erhöhte gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu nutzen. Da rund die Hälfte der Einkommen der nicht weinbauenden Landwirte – ursprünglich ein Ausgleich für die Einführung offener Binnenmärkte in der EWG – heute durch steuerfinanzierte Subventionen erfolge, müsse die Gesellschaft „vielleicht noch stärker sehen, was sie für ihr Geld bekommt. Wenn sie jetzt, durch einen Pandemie-bedingten Trend zu Bio und generell höherwertigen Lebensmitteln versteht, was sie an heimischer Urproduktion und Dienstleistung zum Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft bekommt, werden auch Gesellschaft und Landwirtschaft wieder besser zueinanderfinden“, hoffte der promovierte Biologe.
Ähnlich, aber einen Tick kritischer bewertete dies die CSU-Kreisvorsitzende Becker und fragte rhetorisch: „Wie kann es sein, dass in der Diskussion um Klimaschutz jeder einzelne in die Pflicht genommen wird, obwohl die wirklich großen Potentiale weder in Deutschland noch im Privatleben der Menschen liegen? Und wie kann es sein, dass beim Artenschutz, wo jeder Einzelne wirklich etwas erreichen könnte, sich die Gesellschaft frei macht und die Landwirte alleine verantwortlich macht? Nur gemeinsam geht’s.“
In der offenen Diskussion erinnerte JU-Agrarpolitiker Stefan Meitinger daran, dass Artenschutz Fläche brauche. Der Schwabe wünschte sich daher, ungeachtet bereits erfolgender Entsieglungs- und Innenentwicklungsförderung von Staat und Kommunen – Stichwort Grundsteuer C – noch stärkere Anstrengungen im Bereich der Flächenschonung.
Auf die Herausforderungen junger Betriebsnachfolger wiesen abschließend Jungwinzer Katja Schuppert und Michael Meusert (Volkach) sowie Junglandwirt Johannes Konrad (Kürnach) hin. Sie unterstrichen, dass durch hochwertige Ausbildung Artenschutz wesentlicher Bestandteil guter fachlicher Praxis und den jungen Landwirten wichtig sei, jedoch das Heil nicht allein in biologischer Landwirtschaft liege.