
Ufr./KT/SW (dn) „Mit einem Programm der Vorschriften, Umverteilung und Verbote bringen wir sicher keine Dynamik ins Land“, war sich JU-Bezirksvorsitzender Daniel Nagl in seiner Begrüßung sicher. Zusammen mit Jutta Leitherer, für die Mittelstandsunion Unterfranken, Barbara Becker für den Evangelischen Arbeitskreis der CSU Unterfranken und Johannes Oberndörfer für den Fachausschuss Wirtschaft der JU Bayern versammelte die Junge Union (JU) Unterfranken hochwertige Referenten zum Thema „Deutschland wieder flott machen“.
Der ehemalige Vizepräsident des EU-Parlaments und Wirtschaftspolitiker Dr. Ingo Friedrich legte sich fest, was Deutschland jetzt braucht: Carsten Linnemann (CDU) als Wirtschaftsminister und Markus Söder (CSU) als Kanzler. „Wir müssen unseren Ministerpräsidenten hergeben, damit Deutschland jemanden hat, der mit Macron und Co. auf Augenhöhe verhandeln kann und der keine Politik treibt, die Doppelhausbesitzern mehrere Tausend Euro Steueraufschlag pro Jahr beschert“, so der ehemalige mittelfränkische JU-Bezirksvorsitzende.
Energisch sprach Dr. Friedrich gegen eine dauerhafte Niedrigzinspolitik und eine „Schlendrian-Achse Italien-Frankreich“. Statt Steuererhöhungen warb er angesichts europaweit niedrigster Schuldenquote Deutschlands für großzügige Regelungen beim Steuervor- und rücktrag für den Mittelstand, der die Krise zur Modernisierung nutzen müsse. „Vieles ist Psychologie“ war er sich mit seiner ehemaligen Kollegin in der CSU-Europagruppe und Bundestagsabgeordneten Dr. Anja Weisgerber einig, da vom Schlechtreden nichts besser werde. Deutschland sei von Wirtschaftshilfen bis Übersterblichkeit und Intensivbettenbelegung im europa- und weltweiten Vergleich bislang gut durch die Pandemie gekommen. Mit der Auszahlung der Hilfen hat es zwar zu lange dauert. Weisgerber stellte aber auch fest: „In Ländern wie Portugal, Spanien oder Italien erhalten die Unternehmen nicht annähernd die Hilfen wie in Deutschland.“
Als zweiter Impulsredner mahnte der Geschäftsführer der LAUDA DR. R. WOBSER GMBH & CO. KG Dr. Mario Englert eine bessere Pflege des für den Mittelstand wichtigen Humankapitals durch eine stärker lösungsorientierte Bildungspolitik an. Dr. Englert kritisierte die Bundesländer, die statt auf bewährte Systeme beim Distanzunterricht zurückzugreifen, „in der Krise plötzlich versuchten, das an Entwicklung nachzuholen, was in den Jahren zuvor verschlafen wurde.“
Dr. Ulrich Hornfeck, Vorstand des Maskenvlies-Produzenten Sander AG und Mitglied der Evangelischen Landessynode, ging in seinem Parforce-Ritt facettenreich auf die globalen und produktionsfaktor-bedingen Zwänge auf die europäische Wirtschaft ein. Mit Oberndörfer war er sich darüber einig, dass Europa politisch, aber auch wirtschaftlich, seine Positionierung zwischen großen Internetplattformen aus den USA und einem auch im Bereich der Datennutzung aggressiv auftretenden China finden müsse. „Die Kirche hat in der Coronakrise den Schlüssel zu den Menschen – das Verstehen ihrer Ängste, das Ansprechen der Gemeinschafts- und Sinnbedürfnisse“ – zum Teil verloren. Dies wieder zu gewinnen stellt für die Kirche eine große Chance dar. Die unterschiedlichen Taktgeschwindigkeiten zwischen Unternehmen und Verwaltungen werden zu weiteren Verwerfungen führen, schilderte der Oberfranke.
Mit Blick auf die weiteren Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden, sei aktuell zwar viel Kapital vorhanden. „Aber die Endlichkeit von Boden stellt auch Deutschland vor enorme Herausforderungen, während China in Afrika auf Einkaufstour geht.“ Hier müssten Antworten gefunden werden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Abschließend warnte Dr. Hornfleck davor, dass es neben Wettbewerbsfähigkeit ganz entscheidend auch um den Erhalt des Zusammenhalts in der Gesellschaft gehe. „Die Dünnhäutigkeit hat unter dem Brennglas Corona zugenommen.“ Nur wenn es gesellschaftlich gelingt, Klage vermehrt in konstruktive Bahnen zu lenken und wir achtsam miteinander umgehen, werden wir als Gesellschaft erfolgreich sein.