
Kitzingen/Pilsen (dn) Politiker denken immer vom eigenen Kirchturm aus? Nein! Für den Bezirksvorsitzenden der Jungen Union Unterfranken Daniel Nagl ist klar: „Der Austausch mit europäischen Partnern ist für junge Menschen mit am wichtigsten. Das geht in Städtepartnerschaften, im Erasmussemester oder auf Exkursionen der Jugendorganisationen aller Parteien.“ Für den 32-jährigen Kitzinger ist klar: „Wir müssen auch als junge CSU’ler intensiver ins Gespräch mit unseren europäischen Partnern kommen. Wer Europa lebt, entwickelt ein Gespür für kulturelle Unterschiede und hinterfragt den Absolutheitsanspruch des eigenen Denkens“.
Unterstützt von der Hanns-Seidel-Stiftung tauschte sich die JU im Juli in Brünn und Pilsen mit drei Jugendorganisationen ihres Dachverbands, der Jungen Europäischen Volkspartei (YEPP) aus. „Es ist bei allen kulturellen Unterschieden spannend zu sehen, wie ähnlich die Situation vor den Wahlen in Tschechien und Deutschland ist“, so der Digitalbeauftragte der JU-Unterfranken Daniel Koppe, dessen Vater einst aus Tschechien vertrieben wurde.
Koppe und Nagl, die in den vergangenen Jahren bereits ein lebendiges Denkmal (aufgepfropfte Apfelbäume) in Erinnerung an Vertreibung nach Bayern mitgestalteten, mit Karel Pelikan (Top tým, CZ)am Gedenkmarsch in Brünn teilnahmen und 2019 Forderungen vorlegten, die JU-Landesvorsitzender Christian Doleschal zum Teil in seinem 12-Punkte-Plan aufgriff, begrüßten es, dass junge YEPP-Mitglieder am Wochenende abermals ein deutliches Zeichen setzten, gegen jene, die populistisch durch Neid, Angst und Schuldzuweisungen Europa spalten wollen.
Nach einem Austausch in Pilsen wanderte die Gruppe mit dem 2. Bürgermeister der Marktgemeinde Eslarn Thomas Kleber an der bayerisch-tschechischen Grenze entlang zum verlassenen Dorf Bügellohe. Menschen aus nahen Siedlungen waren 1945 vor den Sowjets über die Grenze geflüchtet und hatten, mit dem Wunsch in ihre Heimatorte zurückzukehren, eine Siedlung fernab der Zivilisation errichtet – und bis Ende der 1960er Jahre aufgrund harter Lebensbedingungen wieder verlassen. „Heute liegt die Ruine zwischen zwei Naturschutzgebieten, die man nur bemerkt, wenn man aus den Wäldern hinauswandert, weil die Menschen verschiedene Sprachen sprechen. Hier, bei der Sprache und dem Naturschutz, noch enger zusammen zu arbeiten ist die Aufgabe aktueller Politik und der Jugend“, so Nagl.